Musikschulen fordern für ihre Arbeit verbindliche Regeln

Positionspapier des VdM Thüringen

 

Ein Gespräch mit Friedrun Vollmer, Vorsitzende des Musikschulverbandes in Thüringen, über notwendige Veränderungen.

 
Friedrun Vollmer ist Chefin des Musikschulverbandes und Direktorin der Musikschule Jena.
Foto: Alexander Volkmann

 

Frau Vollmer, im Kulturkonzept des Freistaats wird seitenlang das hohe Lied auf die Musikschulen und ihre Bedeutung für das Land gesungen. Es gibt nun ein Positionspapier vom Musikschulverband, dessen Botschaft lautet: Es muss sich etwas ändern. Was ist für Sie das Wichtigste, das sich in Thüringen ändern muss?

Das Wichtigste steht bereits in der Überschrift unseres Positions- und Visionspapiers: "Musikschulen als gesellschaftliche Pflichtaufgabe". Alle Bemühungen in dieser Richtung sind bisher in Thüringen leider gescheitert, zuletzt 2009. Aber mittelfristig halte ich das für realistisch, für machbar. Wir wollen ja keine Extrawurst gebraten bekommen. In acht Bundesländern gibt es schon gesetzliche Regelungen für den Musikschulbereich, die sich bewährt haben.

 

Sie setzen auf Verbindlichkeit. Stößt also bei aller Wertschätzung der Musikschulen das Prinzip Freiwilligkeit in Thüringen an seine Grenzen?

In der Tat. Die finanziellen Zuwendungen sind nach und nach weniger geworden, was die musikalische Bildungs- und Kulturarbeit bedroht. Es herrscht Unsicherheit und Zukunftsangst an unseren 25 kommunalen Musikschulen mit ihren fast 1000 Lehrern, die für 22 500 Schüler da sind. Noch ist keine unserer Musikschulen abgewickelt worden. Noch ist es nicht zu spät. Aber die Uhr steht auf fünf vor 12.

 

Dramatisieren Sie da nicht ein bisschen?

Überhaupt nicht. Unser Papier basiert ja auf zahlreichen Gesprächen mit Musikschulleitern, Musiklehrern Schülern, Eltern, Abgeordneten. Viele sagen uns jetzt, dass wir ihnen aus dem Herzen sprechen. Das betrifft zum Beispiel unsere Forderung, dass Musikschulen als zweckgebundene Ergänzungszuweisung in den kommunalen Finanzausgleich aufgenommen werden. Außerdem treten wir dafür ein, dass sich der Freistaat zur Entlastung der Kommunen zu 25 Prozent an den Personalkosten beteiligt. Auch in Bayern gibt es eine solche Forderung.

 

Das große Bayern ist aber reicher als das kleine Thüringen.

Man muss bei den angemahnten Veränderungen doch gar nicht in die Ferne schweifen. Im benachbarten Sachsen-Anhalt, bekanntlich kein reiches Bundesland, gibt es ein Musikschulgesetz und damit verbunden feste Beträge zur Finanzierung. Außerdem wird dort der Titel "Staatlich anerkannte Musikschule" vergeben. Wir brauchen auch in Thüringen Planungssicherheit und vom Land geförderte einheitliche Qualitätsstandards, die mit einem Zertifikat beglaubigt werden.

 

Was gehört für Sie zu diesen Qualitätsstandards?

Ein breitgefächertes Angebot auf hohem musikpädagogischen Niveau, studiertes Fachpersonal, gut ausgestattete Übungsräume, allgemeine Zugänglichkeit durch Gebührenordnung mit Sozialtarifen, vielfältige Teilhabe am kommunalen Leben.

 

Wie in jeder anderen Schule ist und bleibt auch bei Ihnen das Wichtigste die pädagogische und menschliche Qualität des Lehrers. Wie ist es um die personelle Ausstattung der Musikschulen bestellt?

Auch hier ist die Situation schwierig. 68 Prozent der Lehrer an den kommunalen Thüringer Musikschulen sind Honorarkräfte und nur 14,4 Prozent vollzeitbeschäftigt. Anders gesagt: Festangestellte Lehrer sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Wir möchten das Verhältnis auf 50 zu 50 zurückführen. Außerdem erhalten Musikschullehrer erheblich weniger Lohn als Lehrer an anderen Schulen. Hier fordern wir für Thüringen die längst fällige Anpassung der Bezahlung.

 

Haben es die Musikschulen schwer, Lehrer zu finden?

Das ist unterschiedlich. Besonders im ländlichen Raum, abseits von Zug und Autobahn, fällt es oft schwer, freie Stellen zu besetzen. Das betrifft Lehrer für Blechblasinstrumente, aber auch für die Geige.

 

Sind Sie, was den Nachwuchs betrifft, mit der Weimarer Musikhochschule im Kontakt?

Es gibt eine punktuelle Zusammenarbeit. Aber die Möglichkeit, Musikschulen als Praxisorte für die Studenten zu nutzen, diese Ausbildungschance wird leider vertan. Überhaupt fällt auf, dass die Musikpädagogik in Weimar an Stellenwert verloren hat. Die entsprechende Professur an der Liszt-Hochschule wurde abgeschafft.

 

Musikschulen kennen keine Altersgrenzen. Wer ist vor allem Ihre "Kundschaft"?

Drei Viertel unserer Schüler sind Kinder und Jugendliche, wobei die Zahl der Kinder unter sechs Jahren zunimmt und jetzt bei 15 Prozent liegt. Ein Prozent sind Rentner, Tendenz leicht steigend. Wir ersetzen nicht den regulären Musikunterricht, aber wir gehen in Schulen und arbeiten mit den Schulen zusammen. Mit Projekten und Kooperationen erreichen wir viel mehr Kinder auch aus Familien, in denen die Musik und das Musizieren nicht unbedingt zum häuslichen Alltag gehören.

 

Und wenn Sie die Herzen für die Musik geöffnet haben - was dann?

Dann bleiben die Türen in den Musikschulen oft verschlossen, weil wir leider immer längere Wartelisten haben. In Thüringen stehen darauf mehr als 3000 Namen. Das ist regional unterschiedlich, aber stets frustrierend für Betroffene. Thüringens Kulturkonzept nennt Musikschulen eine Säule der Breiten- und Spitzenförderung und der musikalischen Grundversorgung. Damit sie es nicht nur auf dem Papier sind, brauchen wir entsprechende Bedingungen.

 

Sigurd Schwager / 01.02.14 / TA

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