Ein Gespräch zwischen Politik und kommunalen Musikschulen

Erfurt, 10.09.2014. Was sind die Musikschulen der Landespolitik wert? Wie kann ihre Arbeit langfristig gestärkt und gesichert werden? Diese und weitere Fragen stellte der VdM Landesverband Thüringen im Rahmen einer Podiumsdiskussion in Erfurt. Unterstützung erhielt er von zwei Kooperationspartnern – der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung und der Kulturpolitischen Gesellschaft Regionalgruppe Thüringen.


 


Auf dem Podium standen die kulturpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen Rede und Antwort: Hans-Jürgen Döring (SPD), Franka Hitzing (FDP), Jörg Kellner (CDU), Dirk Möller (Die Linke) und Astrid Rothe-Beinlich (B'90/Die Grünen). Moderatorin Barbara Haack konfrontierte sie mit Themen, die den kommunalen Musikschulen Thüringens derzeit unter den Nägeln brennen.

 

Trotz großer Nachfrage, hoher Qualitätsstandards und umfangreicher Angebote kämpfen Thüringens Musikschulen zunehmend mit Problemen. Sie leiden unter der schleichenden Abnahme öffentlicher Zuwendungen. Seit 2008 können sie nicht mehr fest mit einer für sie adäquaten Fördersumme rechnen, sondern müssen immer wieder neu mit den Kämmerern ihrer Kommunen verhandeln. In Zeiten leerer kommunaler Kassen ist das keine leichte Aufgabe. Friedrun Vollmer, Vorsitzende des Landesverbands der Musikschulen Thüringen, sieht die Situation einiger Musikschulen bei „fünf vor zwölf“. Mangelnde Förderung, fehlende Planungssicherheit, schlechte Vergütungsmöglichkeiten – derartige Probleme gehören mittlerweile zum Alltag.

 

Angesichts der aktuellen Situation fordert der Landesverband der Musikschulen mehr Verantwortung vom Land Thüringen. In seinem Anfang des Jahres erschienenen Positionspapier hat er Kritik und Vorschläge an die Politik geäußert. Der Verband verlangt eine gesetzliche Regelung für Musikschulen sowie mehr Planungssicherheit durch Festbetragsfinanzierung und Zweckbindung finanzieller Mittel. Zur Podiumsdiskussion am 10.09. positionierten sich Politiker erstmals öffentlich zu den Forderungen.

 

 

von links: Friedrun Vollmer (VdM), Dirk Möller (Die Linke), Astrid Rothe-Beinlich (B'90/Die Grünen), Hans-Jürgen Döring (SPD), Jörg Kellner (CDU), Franka Hitzing (FDP), Barbara Haack (Moderatorin)

Foto: Johanna Raißle

 

 

Das Land muss mehr Verantwortung für die Musikschulen übernehmen.“ Aussagen wie die von SPD-Politiker Hans-Jürgen Döring erwecken Hoffnung. Dennoch wird im Diskurs immer wieder deutlich: Bleibt die schwarz-rote Regierung auch nach der Landtagswahl an der Macht, sind keine Wunder zu erwarten. Jörg Kellner, kulturpolitischer Sprecher der CDU, antwortet auf die Forderungen und Fragen des VdM allzu oft mit dem durch und durch diplomatischen Satz: „Das müsste geprüft werden“ und geht mit eigenen Vorschlägen sparsam um. Eine Zweckbindung kommunaler Mittel für die Musikschulen lehnt Kellner strikt ab: „Die Kommunen sollen selbst entscheiden, wofür sie ihr Geld ausgeben.“

 

Die Opposition hingegen argumentiert ganz im Sinne der Musikschulen – doch sicher ist es auch der Wahlkampf, der sie dazu antreibt. Institutionelle Förderung ist nicht immer das Allheilmittel, aber wenn klar wird, dass es ohne nicht läuft, dann muss Politik lernen können“, sagt Franka Hitzing von der FDP. Anerkennung, Wertschätzung und angemessene Finanzierung fordert Grünen-Politikerin Astrid Rothe-Beinlich für die Musikschulen. Die beiden Parteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke planen ein Kulturfördergesetz, das eine verbindliche Regelung für Musikschulen enthält. Friedrun Vollmer, Vorstandsvorsitzende des VdM Thüringen, würde dies befürworten: „Wir wollen klare Regelungen und wünschen uns, dass die Marke 'Musikschule' geschützt wird. Im Gegenzug sind wir dazu bereit, uns vom Land stärker in die Pflicht nehmen zu lassen und Qualitätsstandards zuverlässig zu erfüllen.“

 

Umfangreiche Einblicke in die Perspektive der Musikschulen geben nicht nur die Diskussionsbeiträge Vollmers. Auch die circa 70 Gäste in den Zuschauerreihen – darunter viele Musikschulleiter und -lehrer – bringen wesentliche Punkte in den Diskurs ein. Besonders als die unzureichende Entlohnung der Honorarlehrkräfte zur Sprache kommt, wird es laut im Saal. „Mit den Honoraren unterbieten wir uns teilweise gegenseitig“, schildert Christian Rangnick, Leiter der Kreismusikschule Mühlhausen, die prekäre Situation. Aus eigener Kraft können die Musikschulen die Honorare nicht erhöhen. Mit seiner Forderung nach einer landesweit einheitlichen Regelung, die eine angemessene Bezahlung der hochqualifizierten Lehrkräfte ermöglicht, steht Rangnick daher nicht allein. „Wir können unseren Lehrern keine Perspektive geben und damit unseren Kindern auch nicht“, klagt seine Kollegin Brigitte Uch, Leiterin der Musikschule Rudolstadt.

 

Unterstützung ist gefragt – nicht nur von den kommunalen Trägern der Musikschulen, sondern auch vom Land Thüringen: „Das Land muss bekennen, dass es zu seinen Musikschulen steht“, fordert Grünen-Politikerin Astrid Rothe-Beinlich. Bei allen Meinungsunterschieden zeigen sie und die anderen Diskussionspartner ein offenes Ohr für die Probleme der Musikschulen. Aber den Kulturpolitikern sind die Hände gebunden, wenn sie im Landtag keinen Rückhalt finden. Über die Verteilung von Finanzen haben sie keine Entscheidungsgewalt – doch trotzdem bleibt zu hoffen, dass sie sich für Thüringens Musikschulen stark machen.

 

Auch der VdM Thüringen muss weiter aufklären, sensibilisieren und auf landespolitischer Ebene immer wieder seine Forderungen artikulieren – nur so besteht überhaupt die Chance, dass sich die Situation in den nächsten Jahren verbessert. Vorstandsvorsitzende Friedrun Vollmer äußert zum Abschluss der Diskussion zuversichtliche, aber auch kämpferische Worte: „Wir werden lauter werden, wir werden dicke Bretter bohren und uns nicht damit zufrieden geben, ein schnell gestrichener Kostenfaktor zu sein.“


 

Anne-Christin Döhle

 


 

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